Vorbereitung

Angefangen hat alles im Januar 2013 beim Frühstück auf Arbeit. Meine Kollegin erzählte von einem Bekannten, der den Jakobsweg gewandert ist.
Ohne vorher irgendetwas auch nur ansatzweise Vergleichbares unternommen zu haben, dachte ich mir „Das klingt echt gut! Das machste auch mal“. Und wenn ich mir erstmal was in den Kopf gesetzt hab, mach ich es auch.
Vor ein paar Jahren lag bei uns mal ein Buch von Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ auf dem Tisch. Mittlerweile befand es sich bei meinen Großeltern im Bücherregal. Als ich es mir von ihnen abholen wollte, durchschaute meine Oma das Vorhaben sofort. Sie versprach jedoch ihren Mund zu halten. Ich wollte nicht, dass mir jemand in meine Entscheidung reinredet. Das Buch war schnell durchgelesen. Anfang Juli sollte die Reise losgehen. Mehr als 4 Wochen Urlaub sind allerdings nicht drin.

Und so ließ ich die Tage ins Land ziehen. Erst Mitte April ging ich dann zu meiner Vorgesetzten und fragte nach Urlaub. Komischerweise war ich nicht der einzige, der im Sommer Urlaub nehmen wollte. Nach langem Hin und Her blieb nur noch der Mai übrig. Das hieß, in 2 Wochen würde es schon losgehen! 2 Wochen um eine Wanderung von 800 km vorzubereiten. Eine Wanderung, über die ich nicht mehr wusste, als Hape Kerkeling in seinem Buch so fabelhaft beschrieben hat.
Besonders eines hat er immer wieder betont: der furchtbare Zustand der Albergues, zu deutsch Herbergen. Da ich keine Lust, geschweige denn das Geld hatte, wie er in Hotels zu übernachten, war die einzig logische Schlussfolgerung: Draußen schlafen!
Zu diesem Zweck hab ich mir eine Plane und ein paar Meter Seil zum Abspannen gekauft. Ein 30 Euro Schlafsack und eine 0,5cm dicke Alu-Isomatte für 5 Euro sollten mich in den Nächten schön warm halten. Bitte fragt mich nicht, was ich mir damals dabei gedacht habe. Beim Tippen dieser Zeilen muss ich selbst lachen.
Dann noch einen günstigen Rucksack, Bundeswehr-Kochgeschirr, eine Regenjacke, Trekkinghose, Trinkflasche, spezielle Socken für 20 Euro (!) und Pflaster besorgt. Wanderstiefel wollte ich mir nicht extra kaufen. Schließlich hab ich meine Sportschuhe, die die letzten 6 Jahre eingetragen wurden!
Nicht zu vergessen der Pilgerausweis, auf dem man Stempel in Herbergen, Bars und Cafés sammelt. In Santiago de Compostela gibt es eine Art Urkunde für das Bewältigen der Jakobsweges. Möchte man diese Urkunde – auch Compostela genannt – erhalten, so muss man auf den letzten 100 km mindestens 2 Stempel pro Tag sammeln. Ohne Pilgerausweis darf man übrigens auch nicht in den Pilgerherbergen übernachten. Aber das wäre mich für ja ohnehin nicht interessant… dachte ich mir zumindest.

Das Buchen des Fluges sollte sich da schon wesentlich aufwendiger gestalten. Die nette Tante aus dem Reisebüro wollte mir Flüge mit Umweg über die Türkei anbieten. Mit nächtlichem Zwischenaufenthalt natürlich. Bei einigen ihrer tollen Angebote hätte ich sogar 2-3 Nächte auf dem Flughafen schlafen müssen.
Im Internet war das Angebot viel besser. Und siehe da – es soll auch Flüge geben, bei denen man nicht über 1000 Ecken an sein Ziel kommt. Zumindest galt dies für den Rückflug. Für die Anreise habe ich mich für den Zug entschieden.

Einen Tag vor der Abreise kam mir noch die Idee, dass ein Reiseführer gar nicht mal so schlecht wäre. Fünf Stunden bevor der Zug nach Berlin ging, kam der kleine Helfer per Expressversand eingetrudelt. Wie sich später rausstellen sollte – ein durchaus sehr nützlicher Helfer. Ungefähr drei Stunden später war der Rucksack fertig gepackt. Just in time.

Über die 800 Kilometer Entfernung von Saint-Jean-Piet-de-Port nach Santiago de Compostella hab ich mir übrigens nie Sorgen gemacht. Ein Tagespensum von knappen 30km schien mir nicht allzu viel zu sein. Schließlich war ich schon immer recht sportlich. Nun, ich sollte schnell eines Besseren belehrt werden. Aber dazu später mehr!